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Wie tragen Soziologen und Soziologinnen ihre Erkenntnisse und Reflektionen in die Massenmedien? Ragnar Heil stellt Artikel vor, deren gesellschaftskritische Analysen den Elfenbeinturm verlassen und mediale Aufmerksamkeit erreichen.

Mittwoch, Juni 18, 2008

Habermas zum Nein der Iren beim EU-Vertrag von Lissabon

In der Süddeutschen schreibt heute Jürgen Habermas über die Krise der Europäischen Union.

Kernaussagen für mich:
"Die Bürger spüren den Paternalismus. Sie sollen wieder einmal etwas ratifizieren, woran sie nicht beteiligt waren. (...) Sie wollen nicht wie Stimmvieh behandelt werden, das zur Urne getrieben wird."

"Die Schere zwischen den nach Brüssel und Straßburg verlagerten politischen Entscheidungsbefugnissen auf der einen und den in den Nationalstaaten verbliebenen demokratischen Beteiligungschancen auf der anderen Seite hat sich zu weit geöffnet."

"Ein politisches Gewicht, das seinem ökonomischen entspräche, kann Europa nicht erlangen, weil sich die Regierungen über das Ziel der europäischen Einigung uneins sind"

"Mit Engagement und Glück könnte daraus eine Union der zwei Geschwindigkeiten hervorgehen, wenn sich die Länder, in denen das Referendum angenommen wird, zu einer engeren Kooperation auf Gebieten der Außen- und Sicherheits- sowie der Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammenschließen."

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Mittwoch, März 12, 2008

Heinz Bude ueber Chancengleichheit

Der Tagesspiegel interviewt Heinz Bude zum Thema Chancengleichheit und dem Traum einer gerechten Gesellschaft. Bude spricht davon, dass in der Zukunft die Gesellschaft immer ungleicher werden wird, Viele verlieren den Anschluss. Sie gelten dann als "Ausgeschlossene". Das "soziale Band" würde zerreissen.

Zitat Bude:
"Der Punkt, um den es mir geht, ist der: dass es auf jeden ankommt, dass unsere Gesellschaft auf niemanden verzichten kann"

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Freitag, Januar 25, 2008

Selbstmordattentaeter aus der Mittelschicht

In der Frankfurter Rundschau erklärt Randall Collins (Proffessor für Soziologie an der University of Pennsylvania), weshalb Selbstmordattentaeter häufig aus der Mittelschicht kommen und keine Macho-Attitüden vorweisen können.

Zitat:
"Sanftmütige Leute aus der Mittelschicht dagegen eignen sich hervorragend. Da sie an sich nicht die Konfrontation suchen, müssen sie kein prahlerisches oder drohendes Gebaren kaschieren, das sonst ihre Opfer vorwarnen würde. Ein selbstbestimmter, introvertierter Mensch braucht kein jubelndes Publikum, wenn er seine Beute verfolgt."

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Jan Gross ueber den polnischen Antisemitismus

Im Spiegel Online wird der polnisch-stämmige US-Soziologe Jan Gross über den polnischen Antisemitismus interviewt.

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Freitag, Januar 18, 2008

Sarkozy - Le Telepresident

In der Süddeutschen Zeitung wird das Buch der Soziologen François Jost und Denis Muzet zum neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vorgestellt. Sie zeigen auf, wie Sarkozy "als erster Präsident eine Methode zum System macht, deren Ziel es ist, das Handeln und die Kommunikation über dieses Handeln in eins zu setzen."

Sarkozys Strategie bestehe darin, Politik als Echtzeit-Serie zu verkaufen. TV-Formate wie "Big Brother" oder "24" haben den Weg geebnet. Immer wieder wird sichtbar, wie im massenmedial inszeniert Privatsphäre (Goffman`sche Hinterbühne) und politischer Beruf (Vorderbühne) vermischt werden. Interviewte Franzosen berichten, dass ihnen von den ersten Monaten der Präsidentschaft vor allem die Fotos und Video auf der Yacht mit freiem Oberkörper in Erinnerung geblieben seien.

Sarkozy möchte sich auch überall und zu jeder Zeit anwesend zeigen: der Omnipräsident.
Wenn er bei Airbus in Toulouse auftauche, sprächen die Bilder die klare Sprache seiner Politik: Hingehen, zuhören, entscheiden.

Die beiden Soziologen haben sogar Tricks erkannt, mit der Sarkozy mediale Aufmerksamkeit erziele: Gezielt vom Protokoll des Élysée abweichen.
Nur eine überraschende Nachricht sei eine echte Nachricht.

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Happy Birthday, Anthony Giddens!

Wir möchten uns den zahlreichen Geburtstagsgrüßen (zB FAZ, Süddeutsche Zeitung) zu Anthony Giddens 70.ten ganz herzlich anschließen!

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Freitag, Januar 04, 2008

Generation Apokalypse

Ich habe es eigentlich immer gewusst:
Ich gehöre zur Generation Apokalypse, da ich 1973 geboren bin
Darüber klärt mich der STERN auf, den ich zitiere:

"Lüderitz weist auf das Hauptproblem der so genannten „Generation Apokalypse“ hin: „Nuklearer Winter, eine neue Sintflut, Armageddon – alles Peanuts für diese Leute. Die wahre Katastrophe für sie ist, dass die Welt nicht untergeht, dass sie nicht darauf vorbereitet sind, ein alltägliches Leben zu führen. "

Das ist allerdings tragisch, wenn man in der Freizeit damit beschäftigt war, Filme wie "Day after", "Apocalypse now" zu schauen, Tschernobyl-Unglück zu verarbeiten, Benefiz-Musik von Band Aid zu hören oder sich um AIDS-Prävention Gedanken zu machen.


Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.



Kinderkrankheit Leonismus

Die TAZ schreibt über zu beliebte Kindernamen, ihre Nachteile und soziologische Bedeutsamkeit.

Jürgen Gebhards wird zitiert mit dem Satz "Heute wird die Namensgebung sehr stark durch Modetrends vorangetrieben. (...) Es gibt so etwas wie schichtspezifisches Namensverhalten".

Namen wie "Leonie, Fynn, Leon, Lena" könnten in 20 oder 30 Jahren Probleme bei der Arbeitsplatzsuche bereiten, so eine Personalmitarbeiterin. Diese Namen stünden für Harz4, PISA-Misserfolge und missglückte Startup-Unternehmen. Das sei vergleichbar mit Namen wie "Kevin" und "Mandy", die für weniger gebildeten Wiedervereinigungsverlierer im Osten der 90er Jahre stünden.

Am Unkompliziertesten seien die Vornamen Maria, Sarah und Anne bei den Mädchen und Alexander, Michael und David bei Jungen. Sie gelten als zeitlos und dürften bei der Jobsuche keine Schwierigkeiten bereiten.

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Mittwoch, Dezember 19, 2007

Gott ist gefaehrlich

"Gott ist gefährlich" schreibt Ulrich Beck heute in DER ZEIT.

Er führt 5 Thesen an, warum alle Humanität der Religion einen totalitären Kern innehat:

"Religion setzt ein Merkmal absolut - glauben. Alle anderen sozialen Unterschiede und Gegensätze sind daran gemessen unerheblich. Das Neue Testament sagt: 'Vor Gott sind alle gleich.' Diese Gleichheit, diese Aufhebung der Grenzen, die Menschen, Gruppen, Gesellschaften, Kulturen trennen, ist die Gesellschaftsgrundlage der (christlichen) Religionen. Die Folge allerdings ist: Mit derselben Absolutheit, mit der Unterscheidungen des Sozialen und Politischen aufgehoben werden, wird eine neue Fundamentalunterscheidung und Hierarchie in die Welt gesetzt - die zwischen Gläubigen und Ungläubigen."

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Samstag, November 10, 2007

Rezension: Bruno Latour "neue Soziologie für eine neue Gesellschaft"


Wir lesen weiter Soziologisches in der Neuen Züricher. Besproichen wird Bruno Latours Buch «neue Soziologie für eine neue Gesellschaft»

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Sofsky ueber Gleichgueltigkeit

In der NZZ versucht sich Wolfgang Sofsky an einer Soziologie über Gleichgültigkeit.

Hier ein Ausschnitt:
"Gleichgültigkeit ist kein Laster, nicht einmal eine Untugend. Sie zeugt nicht von Masslosigkeit, Willenlosigkeit oder gar Bosheit. Sie missachtet die moralischen Gesetze nicht und verweigert ihnen auch keineswegs jede Anerkennung. Zwar kommt die Indifferenz selten allein. Sie gebiert Tochtersünden, mit denen sie sich zu einem Syndrom vereint. Ein finsterer Groll ergreift die Seele, Feigheit paart sich mit Gefühllosigkeit. Weil der Geist von nichts gefesselt wird, schweifen die Gedanken immerzu ab. Trägheit durchdringt den Körper und tilgt jeden Willen, zum Bösen wie zum Guten. Und dennoch bewegt sich der Gleichgültige noch im Vorfeld der Sünde. Die grossen Übeltäter sind niemals gleichgültig. Aber viele durchschnittliche Exekutoren, Helfershelfer oder Zuträger entstammen der Welt der Gleichgültigen. So gross ist die Zahl der Gleichgültigen, dass der Ort ihrer Bestimmung schon jetzt übervölkert ist. In der Vorhölle trotten sie hinter einer Standarte einher – unablässig im Kreise. Sie bringen nichts zustande, sie sehen nichts, und sie kommen nirgendwo an."

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